Trockene Haut bei Babys
Dieser Beitrag wurde von Dr. Pleimes, Facharzt für Kinderheilkunde, Dermatologie und Allergologie, verfasst.
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Babys haben eine empfindliche Haut. Die Babyhaut ist bei Geburt noch nicht vollständig entwickelt und im Verlauf der ersten 1-2 Lebensjahre finden noch viele Anpassungsprozesse statt.
Diese Anpassungsprozesse werden durch hauteigene Faktoren aber auch zusätzlich durch äußere Faktoren wie dem Feuchtigkeitsverlust nach Geburt oder z. B. Klimafaktoren wie trockener Luft im Winter beeinflusst.
Nach der Geburt – nach plötzlichem Wechsel aus einer Umgebung mit 100 % Feuchtigkeit im Mutterleib – kommt es zunächst zu einem Feuchtigkeitsverlust der Babyhaut, was bei vielen Kindern in den ersten Lebenswoche zu einer trockenen Haut führt. Dies ist ein natürlicher Prozess, welcher sich bei den meisten Kindern von selbst wieder normalisiert, ohne dass Maßnahmen notwendig sind.
In Familien mit einer Neigung zu allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, asthmatischen Beschwerden, trockener Haut und Neurodermitis, kann oft auch schon erblich bedingt eine verstärkte Empfindlichkeit der oberen Hautschicht vorhanden sein. Dies kann das Auftreten von trockener Haut bei deinem Baby verstärken. Es wird davon ausgegangen, dass in Deutschland über 20 % der Bevölkerung entsprechende Empfindlichkeiten entwickeln. Mit dem Vorhandensein von Heuschnupfen, Asthma, Allergien oder Neurodermitis, einer sogenannten Atopie, bei den Eltern steigt das Risiko für die Kinder ebenfalls Hautempfindlichkeiten und eine Atopie zu entwickeln auf ggf. 60 bis 80% (wenn beide Eltern betroffen sind).
Woran erkenne ich, dass mein Baby trockene Haut hat?
Die normale Haut eines Babys in den ersten Lebensmonaten ist meist rosig und weich. Eine trockene Babyhaut ist zunächst oft leicht weißlich schuppig und matter und fühlt sich häufig etwas rauer an. Stärker ausgeprägt können feine Risse oder etwas größere Schuppen sichtbar sein. Häufig sind Wangen, Arme, Beine oder Bauch betroffen. Bei Neugeborenen in den ersten Lebenstagen findet sich trockene Haut oft auch an Händen und Füßen.
Trockene Haut bei Säuglingen in den ersten Wochen nach der Geburt ist ein normaler Anpassungsprozess an das Leben außerhalb des Mutterleibs und sollte auch ohne Behandlung abklingen.
Besteht auch noch im 2. und 3. Lebensmonat oder später eine trockene Haut bei deinem Baby, oder kommt es sogar zum Auftreten von leichten Rötungen und Juckreiz, können zusätzliche unterstützende Maßnahmen sinnvoll sein.
Welche Risikofaktoren oder Ursachen außer der noch vermehrt empfindlichen Haut bei Kindern sind bekannt?
Der Feuchtigkeitsgehalt unserer Haut oder die Hauttrockenheit werden auch durch Umgebungsfaktoren beeinflusst. Eine niedrige Luftfeuchtigkeit führt dabei zu vermehrter Trockenheit. Besonders im Winter bei Kälte und trockener Heizungsluft kommt es schneller zu einer Austrocknung der Haut.
Auch langes Baden in sehr warmem Wasser und die Verwendung von ungeeigneten Hautreinigungsmitteln wie Seifen, die verstärkt hauteigene Fette auswaschen, können den Hautschutz zusätzlich verschlechtern und damit eine schnellere Austrocknung begünstigen. Auch andere äußere Reize wie raue irritierende Kleidung oder Irritationen der Haut durch Chlorwasser oder andere Substanzen können zusätzlich zu Trockenheit beitragen. Um die Haut nicht austrockenen zu lassen, ist die Anwendung von den richtigen Pflegeprodukten wichtig. Wasserfreie Systeme wie z.B. reine Öle oder wasserfreie Salben sind hier oft gut gemeint, aber nicht hilfreich und können sogar die Haut noch trockener machen.
Wie kann eine trockene Babyhaut behandelt werden?
Um eine trockene Haut bei Neugeborenen zu behandeln, sollte bei der Hautreinigung darauf geachtet werden, dass möglichst wenig hauteigene Fette ausgewaschen werden. Bestehen keine starken Unreinheiten der Haut, ist bei kleinen Kindern meist eine Reinigung mit Wasser ausreichend. Es können aber auch milde Waschöle oder seifenfreie Waschemulsionen für empfindliche Haut verwendet werden. Auf zusätzliche, irritierende und nicht benötigte Beistoffe sollte möglichst verzichtet werden.
Pflegeprodukte für die Haut können als Emolienzien die Haut glätten und für eine stabilere Schutzschicht bestimmte Fettbausteine ersetzen. Ceramide als hauteigene Strukturproteine sollen zusätzlich die Barrierefunktion und Feuchtigkeit der Haut verbessern. Feuchtigkeitsspender (Humectants) wie z.B. Glycerin können zusätzlich Wasser in der Haut binden und verschiedene Fette verhindern weiter ein verstärktes Abdunsten von Feuchtigkeit aus der Haut (Okklusion). Eine ausgewogene Verteilung der unterschiedlichen Komponenten in einem Pflegeprodukt (Moisturizer) ist für einen optimalen Therapieeffekt vorteilhaft.
• Fett allein, wie reine Öle oder wasserfreie Salben, eignen sich nicht zur Therapie einer trockenen Haut.
• Feuchtigkeit mit Wasser allein, z.B. Baden ohne einzucremen, hilft aber auch nicht.
Cremes mit nur teilweise okklusiven Eigenschaften aber zusätzlichen Emolienzien und Feuchtigkeitsbindern lassen die Haut atmen und schließen dennoch Feuchtigkeit ein. Hauteigene Strukturstoffe wie Ceramide unterstützen zusätzlich die Hautstabilität.
Wird eine trockene Babyhaut behandelt, sollte die Hautreinigung nicht als alleinige Maßnahme erfolgen. Sehr lange Bäder führen auch zu einem verstärkten Verlust an hauteigenen Schutzstoffen. Wasserkontakt ist aber nicht schlimm und führt zunächst sogar zu einer zusätzlichen Hydratation der Haut, welche direkt nach dem Bad dann durch die zusätzliche Anwendung einer Pflegecreme teilweise erhalten wird. Nach einem kurzen Bad und einem vorsichtigem Trockentupfen deines Babys sollte dann direkt ein passendes Pflegeprodukt für trockene Haut aufgetragen werden.
Gibt es Maßnahmen, um trockener Babyhaut vorzubeugen?
Grundsätzlich gilt: Vorbeugende Maßnahmen, ohne dass jemals eine auffällige Haut bestand, sind nicht notwendig. Auch nicht bei Kindern von Eltern, die selbst eine vermehrte Hautempfindlichkeit, vielleicht sogar eine Neurodermitis haben.
Ist die Haut deines Babys oder deines Kindes jedoch wiederholt trocken oder bestehen sogar schon leichte Irritationen und Rötungen, werden regelmäßige Maßnahmen wie eine schonende Hautreinigung und das Eincremen mit einer Creme gegen trockene Haut von vielen Experten empfohlen.
Welche Inhaltsstoffe stecken in Cremes für trockene Babyhaut?
Wasserbindende Substanzen (Humectants) wie Glycerin sind wichtige Bestandteile von Feuchtigkeitsspenden Pflegeprodukten, da sie helfen, die Speicherung von Feuchtigkeit in der Haut zu verlängern. Für Glycerin sind hierbei verbesserte Speichereffekte über mehr als eine Woche nachweisbar. Auch Harnstoff kann Feuchtigkeit in der Haut binden, führt aber gerade bei empfindlicher Haut vor allem bei sehr jungen Kindern wiederholt zu einem irritativen Brennen. Harnstoff-haltige Präparate sollten daher erst ab dem Vorschulalter versucht werden.
Als hauteigene oder hautähnliche Stoffe eigenen sich neben Ceramiden auch verschiedene Phospholipide, die in unterschiedlichen Pflanzenölen wie z.B. Sheabutter oder Sojaöl enthalten sind.
Untersuchungen z.B. zu Eigenschaften der Sheabutter zeigen, dass innerhalb von einem Tag der Wasserverlust der Haut um 37,8% gesenkt wird und die Hautfeuchtigkeit um 58% zunimmt. Zusätzlich scheint Sheabutter die Hautbarrierefunktion auch über eine Optimierung des hauteigenen Ceramidprofile zu verbessern. Die Fettsäurezusammensetzung der Sheabutter trägt zu ihrer feuchtigkeitsspendenden und die barrierestärkenden Eigenschaften bei und über weitere Inhaltsstoffe (z.B. Vitamin E) bestehen vermutlich auch entzündungshemmende und antioxidative Effekte. Sheabutter wird dabei als kosmetisch sehr sicherer Inhaltsstoff betrachtet. Reine raffinierte Sheabutter gilt als hypoallergen, da kaum oder keine Resteiweisse enthalten sind.
Verwächst sich trockene Haut?
Eigenständige Erkrankungen der Haut, die oft eine starke Trockenheit mit sich bringen und häufig zeitlebens bestehen sind erfreulicherweise selten und betreffen weniger als 1 % der Kinder. Eine gewisse Empfindlichkeit der Hautbarriere und Neigung zu trockener Haut kommt aber häufiger vor und ist vermehrt in Familien mit zusätzlichen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis vorhanden. Zusammen mit der natürlichen Empfindlichkeit der Haut neigen Kinder gerade in den ersten 2 Lebensjahren zu einer vermehrten Trockenheit der Haut.
Erfreuliche Nachricht: Bei vielen Kindern stabilisiert sich diese Situation schon im Alter von 3-4 Jahren und auch bei der späteren weiteren Hautentwicklung kommt es z. B. im Rahmen der vermehrten Talgproduktion in der Pubertät nochmals zu einer weiteren Stabilisierung. Die Prognose ist somit sehr gut.
Wann solltest du mit deinem Kind deinen Arzt aufsuchen?
Besteht bei deinem Kind wiederholt eine etwas trockene Haut, ohne dass diese gerötet oder stark juckend ist, kannst du in aller Regel selbst zunächst mit entsprechend vorsichtigen Reinigungsmaßnahmen und Pflegeprodukten für eine empfindliche, trockene Haut die Situation wieder verbessern.
Besteht aber Juckreiz oder gerötete Stellen, kann hier auch schon ein Ekzem vorliegen oder eine beginnende Neurodermitis bei deinem Kind bestehen. Dann ist es gut, dies deinem Arzt zu zeigen. Manchmal ist es dann sinnvoll, zusätzliche Maßnahmen oder Therapiecremes einzusetzen, um wieder einen normalen Hautzustand zu erreichen.
Selten können auch einmal ausgeprägt trockene Hautbefunde vorhanden sein und eventuell helfen dann die üblichen Maßnahmen für eine Pflege für trockene Haut nicht allein. Zeichen für derartige Auffälligkeiten können z.B. sein, dass die Handflächen und Fußsohlen eines Kindes vielmehr Falten und Linien als bei anderen Kindern zeigen und die Haut oft an Armen und Beinen großflächige sehr starke, manchmal auch bräunlich gefärbte, Schuppen zeigt. Auch dann ist es sicher sinnvoll, dies deinem Arzt zu zeigen.
Zitate und Erfahrungswerte:
Trockene Haut ist medizinisch gesehen eigentlich eine Haut, die nicht zusätzlich entzündet ist. Oft sehen wir aber, dass gerötete raue und teilweise juckende Hautstellen auch als trockene Haut bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich jedoch bereits um ein Ekzem, und dies sollte dann auch behandelt werden.
Trockene Haut im ersten Lebensmonat ist ein sehr häufiges Phänomen und es müssen meist keine Maßnahmen erfolgen.
Bestehen eine trockene Haut und gegebenenfalls auch wiederholt leichte Ekzeme oder kommt es zum Auftreten von Juckreiz, möchten wir die Haut dann unbedingt mit einer zusätzlichen Pflege und gegebenenfalls Therapie unterstützen.
Bei trockener Haut und leichten Ekzemen wird oft die Wichtigkeit der Anwendung korrekter Pflegeprodukte zur Verbesserung der Hautbarrierefunktion unterschätzt.

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