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Babyhaut in den ersten Lebenswochen

Babyhaut in den ersten Lebenswochen

Dr. Pleimes schaut lächelnd in die Kamera

Dieser Beitrag wurde von Dr. Pleimes, Facharzt für Kinderheilkunde, Dermatologie und Allergologie, verfasst.
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Die Haut eines Neugeborenen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Haut eines Erwachsenen. Sie ist um einiges empfindlicher, dünner und noch nicht vollständig ausgereift. Da die Haut des Babys noch nicht alle Schutzfunktionen besitzt, kann es vermehrt zu Hautveränderungen in den ersten Lebensmonaten kommen. Um welche Hautveränderungen es sich handelt und ob diese gefährlich für Dein Baby werden können, erfährst Du in diesem Beitrag.

Überblick - Babyhaut in den ersten Lebenswochen Infografik

 

 

Die empfindliche Haut von Neugeborenen

Die Entwicklung der Haut von Babys findet zwar zu einem großen Anteil im Mutterleib statt, viele Prozesse setzen sich aber nach Geburt noch weiter fort. Gerade in den ersten Lebensmonaten müssen unterschiedliche Anpassungsprozesse an die plötzlichen Veränderungen der Umgebungssituation des Neugeborenen stattfinden.

  • Aus einer feuchten Umgebung aus 100 % Fruchtwasser ist das Neugeborene plötzlich der trockenen Umgebungsluft ausgesetzt.
  • Bei und nach der Geburt besiedeln die vorher sterile Haut unterschiedliche Keime, darunter Bakterien, Hefen und Viren.
  • Der Säuregrad der obersten Hautschicht verschiebt sich in einen leicht sauren Bereich, damit Hautenzyme richtig arbeiten können und schützende Hautkeime eine vorteilhafte Umgebung finden.

Frühgeborene vor der 32. Schwangerschaftswoche haben eine besonders unreife Haut, sodass ohne zusätzliche medizinische Hilfe ihre Funktion alleine oft nicht ausreichen würde, den Körper zu schützen.

Auch zum Termin geborene Kinder haben noch eine vermehrt empfindliche Haut: Die Haut von Neugeborenen ist noch merklich dünner als bei älteren Kindern.

Auswirkungen der empfindlichen Baby-Haut

Die oberste Schicht der Haut, welche aus den Hornzellen besteht, ist noch unregelmäßiger geschichtet als bei größeren Kindern. Die darunterliegenden Schichten der Oberhaut sind ebenfalls noch sehr dünn und die Verbindung zwischen Oberhaut und den noch tieferen Hautschichten ist noch nicht so stabil wie bei älteren Kindern. Letzteres führt dazu, dass bei Neugeborenen schneller Blasen an der Haut entstehen können. Z.B. bei mechanischen Belastungen der Haut oder bei Hautinfekten oder anderen Hauterkrankungen.

Auch die Schweißdrüsen sind noch nicht voll funktionsfähig und die Temperaturregulation des Neugeborenen ist hierdurch eingeschränkter. Neben dem Schwitzen hat auch die Menge der Durchblutung der Haut eine Auswirkung auf die Temperaturregulation.

Die dünnere Haut des Neugeborenen lässt feine Gefäßstrukturen in der Haut besser sichtbar sein. Auch die feinen Hautgefäße sind bei Geburt noch nicht fertig entwickelt und reagieren noch anders auf Wärme- und Kältereize. Es kann dadurch zu einer netzartigen Zeichnung an der Haut (der sogenannten Marmorierung) kommen, welche bei kühler Umgebung verstärkt sichtbar ist. Sie kann auch ein Hinweis darauf sein kann, dass ein bisschen mehr Wärme Deinem Kind jetzt guttun würde.

Die Käseschmiere (Vernix caseosa)

Baby mit Käseschmiere an der Haut

Wenn Neugeborene auf die Welt kommen, umgibt sie meist die Käseschmiere. Diese Schutzschicht, auch Vernix caseosa genannt, besteht etwa aus 10 % Eiweißen, 10 % Fetten und 80 % Wasser. Ihre vermuteten Funktionen sind:

  • ein zusätzlicher Schutz der Haut bei der Umstellung von der feuchten Umgebung im Fruchtwasser zur trockenen Umgebungsluft
  • vermutlich auch ein Schutz während der Embryonalentwicklung gegenüber zu starker Durchfeuchtung durch das Fruchtwasser
  • darüber hinaus wahrscheinlich Infekt-vorbeugende Eigenschaften.

Hautverfärbungen bei Babys

Baby mit Gelbsucht

Die Hautfarbe von Neugeborenen kann stark variieren. Unter anderem Alter und Temperatur sowie Hautfarbe der Eltern beeinflussen das Aussehen der Haut. Auch ob Dein Baby weint oder schläft, macht einen Unterschied. Direkt nach Geburt ist die Haut oft eher dunkelrot bis violett. Wenn nach der Geburt die Kinder anfangen zu atmen, ändert sich die Hautfarbe zu einem Rotton. Die rote Farbe der Haut verblasst dann in den ersten Lebenstagen und die eigentliche Hautfarbe tritt in den Vordergrund.
Hände und Füße können bei einigen Kindern auch teilweise noch bläulich gefärbt bleiben. An diesen Bereichen ist das meist eine normale Reaktion. Andere Körperstellen sollten aber keine blaue Hautfarbe haben.

Manche Neugeborenen entwickeln im Rahmen der normalen Erneuerung von Blutkörperchen eine Gelbfärbung der Haut. Dies entsteht, wenn roter Blutfarbstoff abgebaut wird und noch nicht schnell genug den Körper verlassen kann. Deine Hebamme und die behandelnden Ärzte beobachten dies aber in den ersten Lebenstagen und erklären Dir falls hier reagiert werden muss. Man spricht hier von einer Gelbsucht oder einem Neugeborenen-Ikterus.

Was passiert mit der Hautfeuchte nach der Geburt?

Baby mit trockener und schuppender Haut

Der Feuchtigkeitsgehalt der Baby-Haut nimmt nach Geburt zunächst sehr rasch ab, um dann in den nächsten drei Monaten wieder deutlich zuzunehmen.

Besonders in den ersten zehn Lebenstagen kann es durch die besonders trockene Haut von Neugeborenen auch zu einer feinen Schuppung der Haut am gesamten Körper kommen, welche aber harmlos ist und grundsätzlich nicht behandelt werden muss. Die Haut zusätzlich mit einer leichten Pflege zu versehen, kann diese harmlose Erscheinung aber etwas lindern.

Der Säureschutzmantel der Neugeborenen-Haut

Die natürliche Zusammensetzung der Hautoberfläche liegt im leicht sauren Bereich. Die Neugeborenenhaut passt sich hieran bis zum dritten Lebensmonat an. Dies ist besonders wichtig für eine gute Funktion des Hautstoffwechsels und für die richtige Zusammensetzung des Hautmikrobioms, also der guten Keime (v.a. Bakterien), die zu unserem Schutz auf der Haut leben sollen.

Feine Haare auf der Baby-Haut

Auf der Haut des Neugeborenen können sich kleine feine Flaumhaare befinden. Insbesondere am Rücken und an den Schultern, teilweise aber auch im Gesicht. Sie werden auch als Lanugohaare bezeichnet. Kinder, die etwas zu früh auf die Welt kommen, haben diese verstärkt. Diese feinen Härchen werden im Verlauf von selbst verschwinden.

Die Kopfhaut Deines Babys ist schuppig?

Baby mit Kopfgneis auf dem Kopf

Viele Babys entwickeln in den ersten Lebenswochen eine verstärkte, oft gelblich braune, meist etwas talgige Schuppung der beharrten Kopfhaut. Sie wird auch als Kopfgneis bezeichnet. Sie besteht aus Hautfetten und Resten von abgeschuppten Oberhautzellen. Kopfgneis hat oft einen eigenen Geruch nach Talg und Hautfetten. Die Schuppung kann vorsichtig mit einem Badeöl oder schuppenlösenden Kopfhautgelen oder -ölen eingeweicht werden und beim Bad mit einem milden Shampoo entfernt werden. Selten können sich auch Bakterien zwischen den Schuppen vermehren und es kann dann eine stärkere Geruchsbildung oder ein nässender, eitriger Befund entstehen. Dies solltest Du dann Deinem Kinderarzt zeigen.

Baby mit Milchschorf im Gesicht

Neben dem Kopfgneis gibt es auch den sogenannten Milchschorf. Milchschorf und Kopfgneis werden als Begrifflichkeiten nicht immer sauber voneinander getrennt. Milchschorf bezeichnet eigentlich einen krustigen Entzündungsbefund der Haut, welcher oft an den Wangen von Säuglingen und meist ab dem 2.-3. Lebensmonat auftritt. Er ist Anzeichen eines Ekzems, wie z.B. einer Neurodermitis und gleiche Veränderungen können auch an der behaarten Kopfhaut vorhanden sein. Beim Milchschorf kann es sein, dass die unterliegende Entzündungsreaktion durch deinen Kinderarzt mitbehandelt werden muss. Begleitend können auch hier die Schuppen mit einem Milchschorfgel oder – öl beim Baden entfernt werden. Unter den Schuppen findet sich aber meist eine gerötete/entzündete Haut. Wird die Rötung belassen, entsteht leicht erneut ein krustiger Befund. Zudem entwickelt sich öfter Juckreiz im Verlauf, was dann zu Kratzen und Scheuern führt und die Haut weiter schädigen kann.

Rote Flecken an der Baby-Haut

Baby mit Storchenbiss im Gesicht

Viele Neugeborene kommen schon mit roten Flecken auf der Haut auf die Welt, welche sich meist am Nacken und Hinterkopf, manchmal auch auf der mittleren Stirn, an den Augenlidern und seltener entlang der Wirbelsäule finden. Hierbei handelt es sich typischerweise um harmlose Erweiterung kleinster, ganz oberflächlicher Gefäße, welche als Storchenbiss bezeichnet werden. Der Storchenbiss im Gesicht (z.B. in der Mitte der Stirn) bildet sich meist im Verlauf der ersten Lebensjahre langsam zurück, und ist dann vielleicht nur noch bei Aufregung des Kindes zu sehen. Am Nacken bleiben die Flecken oft bestehen, sind aber später unter den Haaren nicht mehr zu sehen.

Baby mit Neugeborenenexanthem

Kleine wie stichartige, rote Flecken und Pickel am Körper können bei einem Teil der Neugeborenen in den ersten Lebenstagen auftreten. Das sogenannte Neugeborenenexanthem oder auch Erythema toxicum neonatorum. Es ist ein harmloser Ausschlag, welcher von selbst meist innerhalb der ersten zwei Lebenswochen wieder verschwindet und keiner Behandlung bedarf. Den Kindern geht es dabei gut und sie wirken wach und nicht krank. Die genaue Ursache für das Neugeborenenexanthem ist nicht bekannt. Vermutet werden Reaktionen auf die sich mit Keimen besiedelnde Haut oder auf die hormonelle Umstellung nach Geburt.

Pickel, Mitesser und Co. bei Säuglingen

Milien

Baby mit Milien im Gesicht

Viele Neugeborene kommen mit kleinen weißen Pünktchen oder kleinsten meist nur 1 mm großen weißlichen Knötchen im Gesicht auf die Welt. Hierbei handelt es sich um sogenannte Milien. Dies sind kleine Bällchen in der oberen Hautschicht mit eingeschlossenem Talg darin. Sie sind harmlos und verschwinden im ersten Lebensjahr meist von selbst.

Vergrößerte Talgdrüsen

Baby mit vergößerten Talgdrüsen an der Nase

Die Nase von Neugeborenen zeigt oft vergrößerte Poren. Hierbei handelt es sich um noch aktive und damit vergrößerte Talgdrüsen. Diese mussten noch im letzten Drittel der Schwangerschaft vermehrt arbeiten, auch um die Käseschmiere für dein Baby zu produzieren. Sie sind harmlos und bilden sich im Verlauf der ersten Lebensmonate zurück.

Akneartige Haut

Im ersten Monat können sich weitere Untereinheiten und Pickel auf der Haut, vor allem im Gesicht des Neugeborenen, entwickeln. Hierbei wird zwar meist von Neugeborenenakne gesprochen, jedoch verbergen sich unterschiedliche Ursachen hinter den kleinen Pickelchen. Eine echte Akne ist vermutlich seltener als eine Reaktion der Haut auf die Besiedlung mit Hefen (Haarbalgentzündung durch Pityrosporum-Besiedlung) oder eine überschießende Entzündungsreaktion der talgdrüsenreichen Areale (seborrhoische Dermatitis) wie dem Gesicht. Bei all diesen Reaktionen können kleine Pickel, teilweise auch gelblich gefüllte Pusteln entstehen. Nur bei der echten Neugeborenenakne kommt es aber auch zum Auftreten von zusätzlichen Mitessern (Komedonen).

Allen drei Hautveränderungen gemeinsam ist, dass stark fettende Cremes, Salben oder Öle zur Pflege den Befund im Gesicht verschlechtern können. Hier sollte auf leichte und vornehmlich wasserhaltige Pflegeprodukte gewechselt werden. Bei älteren Säuglingen ab ca. dem dritten bis vierten Lebensmonat sind die Pickel meist schon wieder von selber verschwunden und es überwiegen dann meist zunehmend trockene Hautbefunde. Hier kann dann in der Regel etwas reichhaltiger, also mit höherem Fettgehalt in der Creme, behandelt werden.

Die richtige Pflege von Baby-Haut

Die Haut des Neugeborenen und auch noch bei den kleineren Kindern ist zum einen vermehrt empfindlich und durchlässiger, zum anderen ist auch die Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht deutlich größer als bei älteren Kindern. Beides führt dazu, dass eine verstärkte Aufnahme von Substanzen, die auf die Haut aufgetragen werden, in den Körper besteht. In Kosmetika, Hautwaschmitteln oder Sonnencremes, welche bei Kindern verwendet werden, sollte daher auf jegliche Art von bedenklichen Inhaltsstoffen und auf unnötige Zusätze verzichtet werden. Weitere Informationen zur richtigen Pflege der Haut von Säuglingen findest du hier.

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